Standgeld zahlt die Seite, die den Stillstand zu verantworten hat: meist der Verlader oder der Empfänger, wenn das Fahrzeug länger auf Be- oder Entladung wartet als die im Auftrag vereinbarte freie Zeit. Die Uhr läuft aber nicht ab der Einfahrt aufs Werksgelände, sondern ab der dokumentierten Meldung im avisierten Zeitfenster. Ohne Eintrag im CMR-Frachtbrief, Standzeitnachweis und Fotos lässt sich kaum etwas durchsetzen.
Woher das Standgeld überhaupt kommt
Ein Zug mit Fahrer kostet Geld, ob er fährt oder steht: Leasingrate, Versicherungen, Lohn, Spesen. Auch die Arbeitszeit des Fahrers läuft an der Rampe weiter. Ein Fahrzeug, das einen halben Tag mit Warten verliert, verpasst oft die nächste Beladung, und damit ist auch die folgende Fracht weg. Standgeld ist also keine von Frachtführern erfundene Strafe, sondern die Abrechnung der realen Kosten eines stillgelegten Zuges. Woraus ein Fahrzeugtag besteht, zeigen wir in der Analyse der Bestandteile des FTL-Preises.
Freie Stunden: die Marktpraxis
Marktüblich ist es, im Auftrag freie Zeit für Beladung und Entladung festzulegen: ein Stundenkontingent, in dem der Frachtführer ohne zusätzliche Vergütung wartet. Erst wenn es aufgebraucht ist, beginnt das Standgeld, in der Regel nach dem im Auftrag genannten Stunden- oder Tagessatz. Verbreitet sind auch die Abrechnung nach angefangenen Tagen sowie gesonderte Regeln für Wochenenden und Feiertage, wenn der Zug steht und der Fahrer seine Ruhezeit fern der Basis nimmt.
Entscheidend ist: Höhe und Berechnung folgen aus dem Vertrag. Schweigt der Auftrag, wächst der Raum für Streit. Der Frachtführer argumentiert mit seinen Kosten, der Auftraggeber bestreitet jede Position. Ein sauber formulierter Auftrag regelt freie Stunden, Standgeldsatz und Dokumentation, bevor irgendjemand zu warten beginnt.
Wann läuft die Uhr wirklich?
Die zweite Streitquelle ist der Startzeitpunkt. Die Praxis sieht so aus: Die Zeit zählt ab dem Moment, in dem sich das Fahrzeug im avisierten Fenster meldet und die Bereitschaft anzeigt, nicht ab der Einfahrt aufs Gelände oder dem Einreihen in die Schlange vor dem Tor. Kommt der Lkw außerhalb der Avisierung, kann der Verlader die Zeit bis zum nächsten freien Fenster unberücksichtigt lassen. War die Avisierung dagegen auf eine feste Uhrzeit vereinbart und nimmt die Rampe das Fahrzeug verspätet an, läuft die Wartezeit ab der avisierten Stunde. Deshalb ist die exakte, per Unterschrift oder Slotsystem bestätigte Ankunftszeit mehr wert als jede nachträgliche Argumentation.
Artikel 16 CMR: Kosten bei Beförderungshindernissen
Die CMR legt keine Standgeldsätze fest, gibt dem Frachtführer aber eine allgemeine Grundlage: Nach Artikel 16 hat er Anspruch auf Erstattung der Kosten, die ihm das Einholen oder Ausführen von Weisungen verursacht, sofern er sie nicht selbst verschuldet hat. Kann die Beförderung aus Gründen, die auf Seiten der Ware oder des Empfängers liegen, nicht vertragsgemäß ablaufen, trägt der Verfügungsberechtigte die Kosten des Stillstands und der zusätzlichen Weisungen. Im Alltag entscheiden allerdings vor allem der Wortlaut des Auftrags und die Qualität der Standzeitdokumentation.
Wartezeit so dokumentieren, dass sie abrechenbar ist
| Nachweis | Was er belegt |
|---|---|
| Vom Verlader oder Empfänger unterschriebener Standzeitnachweis | Ankunftszeit, Beginn und Ende des Wartens |
| Eintrag im Bemerkungsfeld des CMR-Frachtbriefs | Tatsache und Dauer des Stillstands, sichtbar für alle Beteiligten |
| Handyfotos mit Zeitstempel und Standort | Anwesenheit des Fahrzeugs zur angegebenen Zeit |
| Avisierung, Korrespondenz, Aufzeichnungen des Slotsystems | Das vereinbarte Fenster und den Moment der Bereitschaftsmeldung |
| Telematikdaten des Fahrzeugs | Unabhängige Aufzeichnung von Position und Standzeit |
Wie die Einträge im Frachtbrief sauber geführt werden, zeigt unser Leitfaden zum Ausfüllen des CMR-Frachtbriefs, und welches Gewicht Vorbehalte bei der Ablieferung haben, der Text über Vorbehalte im CMR-Frachtbrief. Für die Standzeit gilt dieselbe Regel: Keine Spur in den Dokumenten heißt im Streit keine Standzeit.
Standgeld in Polen und Demurrage in UK
Der Mechanismus ist derselbe, die Abrechnungskultur unterscheidet sich. In Großbritannien laufen Anlieferungen an die Verteilzentren des Handels über starre Booking-in-Slots: Ein Lkw ohne gebuchten Slot wird unter Umständen gar nicht angenommen, und ein verpasster Slot bedeutet Umbuchung, manchmal um ein bis zwei Tage. Demurrage fällt nach den Bedingungen des Auftrags an, und Streitigkeiten werden schnell gelöst, weil beide Seiten vollständige Aufzeichnungen aus den Slotsystemen besitzen. Eine ähnliche Logik gilt bei Containern, wo Demurrage und Detention eigenen Regeln folgen, die wir im Beitrag über Demurrage und Detention beim Container beschreiben.
Standgeld begrenzen, bevor es entsteht
- Vereinbaren Sie realistische Zeitfenster und halten Sie die Avisierung an beiden Enden der Route ein.
- Ware und Papiere vor Gestellung des Fahrzeugs fertigstellen: verpackt, gezählt, Ausfuhrdokumente komplett.
- Freie Stunden und Standgeldsatz im Auftrag festschreiben, statt zu hoffen, dass das Thema nie aufkommt.
- Während des Wartens reagieren, nicht danach: Entscheidungen über Umbuchung oder neue Weisungen kosten in der zweiten Stunde weniger als in der zehnten.
Die Rolle von OTSL
Wir steuern Avisierungen, Booking-in-Slots und die Vollständigkeit der Dokumente, und entsteht dennoch ein Stillstand, dokumentieren wir ihn laufend und rechnen nach dem Auftrag ab, nicht nach Emotionen. Unsere Kunden zahlen für echte Zeit, nicht für fremde Unordnung. Schreiben Sie uns, wenn Wartezeiten Ihre Marge auffressen, oder sehen Sie in unsere Wissensdatenbank.
Schritt für Schritt
- Pünktliche Avisierung. Der Fahrer trifft im vereinbarten Zeitfenster ein und meldet seine Bereitschaft.
- Ankunftsnachweis. Die Erfassung der freien Zeit beginnt nach der dokumentierten Anmeldung vor Ort.
- Fristüberwachung. Nach Ablauf der im Auftrag vereinbarten freien Zeit beginnt die Berechnung des Standgeldes.
- Dokumenteneintrag. Der Fahrer lässt Ankunfts- und Abfahrtszeiten im CMR-Frachtbrief oder Standzeitnachweis bestätigen.
- Abrechnung einreichen. Nachweise und Fotos werden zur Kostenabrechnung an den Auftraggeber übermittelt.
Definitionen
- Standgeld: Die Vergütung für die Zeit, in der das Fahrzeug über die vereinbarte freie Zeit hinaus dem Verlader oder Empfänger zur Verfügung steht.
- Demurrage: Der im britischen Straßengüterverkehr gebräuchliche Begriff für Entgelte bei Überschreitung der vereinbarten Wartezeit.
- CMR (Convention relative au contrat de transport international de marchandises par route): Der internationale Frachtbrief, der als Nachweis für die Ankunfts- und Abfahrtszeiten dient.
- Freie Zeit: Der im Transportauftrag vereinbarte Zeitraum, für den keine zusätzlichen Standkosten anfallen.
- Avisierung: Die geplante Ankunftszeit des Fahrzeugs zur dokumentierten Meldung an der Rampe.
Wann gilt diese Regel nicht?
Diese Regel gilt nicht, wenn das Fahrzeug außerhalb des avisierten Zeitfensters eintrifft oder das Hindernis auf ein Verschulden des Frachtführers zurückzuführen ist.
Quellen
UNECE, Straßenverkehr und CMR-Übereinkommen (unece.org)
GOV.UK, Portal der britischen Regierung (gov.uk)
KI-Grafik