Eine am Freitagnachmittag übernommene Ladung kommt meist erst am Montag oder Dienstag an, und Sie zahlen die volle Fracht plus das Risiko des Wochenendstopps. Dem Fahrer geht die Lenkzeit aus, in Deutschland und Österreich beginnen die Fahrverbote, die Lager der Empfänger schließen bis Montag, und Booking-in-Slots in Großbritannien verfallen.
Freitag ist kein normaler Betriebstag
Eine Verladung, die am Freitag um 15 Uhr beginnt, startet vier Uhren gleichzeitig:
- dem Fahrer geht die Tageslenkzeit aus, die vorgeschriebene Ruhezeit rückt näher,
- in Deutschland, Österreich und Frankreich stehen die Wochenendfahrverbote bevor,
- das Lager des Empfängers schließt bis Montag, und mit ihm die Entladefenster,
- in Großbritannien verfällt der vereinbarte Booking-in-Slot, und für einen neuen heißt es anstehen.
Jeder dieser Faktoren lässt sich einzeln umgehen. Das Problem: Am Freitagnachmittag schlagen alle gleichzeitig zu. Dieselbe Route, die am Dienstag in 24 Stunden durch ist, dauert am Freitag schnell vier Tage, davon drei auf dem Parkplatz.
Lenkzeiten: Arithmetik ohne Gnade
Die Verordnung (EG) Nr. 561/2006 setzt einen starren Rahmen: Nach 4,5 Stunden Lenkzeit sind mindestens 45 Minuten Pause fällig, die tägliche Lenkzeit beträgt in der Regel 9 Stunden, und zwischen den Schichten steht eine tägliche Ruhezeit an. Endet die Verladung um 16 Uhr, hat ein Fahrer, der morgens angefangen hat, noch ein paar Stunden Fahrt vor sich, nicht ein Dutzend.
„Fahr schneller" existiert nicht: Der Tachograph zeichnet jede Minute auf, und Kontrollen und Bußgelder machen kreative Zeiterfassung zu einer schlechten Idee. Ausführlich rechnen wir das im Leitfaden vor, wie weit ein Lkw in 24 und 48 Stunden wirklich kommt. Für den Versender heißt das: Am Freitag entscheidet die Uhrzeit des Verladeendes stärker über den Liefertag als die Entfernung.
Wochenendfahrverbote: Das Fahrzeug bleibt stehen, wo die Uhr es erwischt
Zu den Lenkzeitgrenzen kommen die Lkw-Fahrverbote: in Deutschland Sonn- und Feiertage von 0 bis 22 Uhr, im Sommer zusätzlich bestimmte Samstage, in Österreich schon der Samstagnachmittag, in Frankreich die Nacht zum Sonntag und der Sonntag. Ein Fahrzeug, das am Freitagabend mitten in Deutschland hängen bleibt, fährt am Sonntagmorgen nicht los, auch mit frischer Lenkzeit. Es steht, wo die Uhr es erwischt hat, und Ihre Ware steht mit.
Ein Wochenende auf dem Parkplatz: das Risiko, das die Rechnung nicht zeigt
Beladen zu stehen ist kein neutrales Warten. Ladungsdiebstähle konzentrieren sich auf Parkplätze, weshalb Versicherer für sensible Güter bewachte Stellplätze verlangen, die auf den Hauptkorridoren knapp sind. Ein Kühlauflieger verbrennt das ganze Wochenende Diesel im Aggregat. Dazu kommen Standgeld und das Risiko, dass der Montagsandrang an den Rampen des Empfängers die Entladung um weitere Stunden verschiebt. All das preist der Frachtführer in die Rate ein, deshalb kostet die Freitagssendung mehr, auch wenn sie im Auftrag genauso aussieht wie die vom Dienstag.
Die Anatomie der Wochenendstandzeit
- Fracht unverändert: Die Rate für die Relation sinkt nicht, weil das Fahrzeug steht,
- Standgeld: Verursacht der Zeitplan den Stopp, berechnen Frachtführer es laut Auftrag, meist je angefangenem Tag,
- bewachter Parkplatz: für sensible Ladung eine Vorgabe der Police, kein Wunsch, und Plätze muss man reservieren,
- Kühlaggregat: Kraftstoff und Temperaturkontrolle über die gesamte Wochenendpause,
- verlorene Avisierung: Ein neues Zeitfenster beim Empfänger ist oft erst Tage später frei,
- Opportunitätskosten: Auflieger und Fahrer stehen still, obwohl sie die nächste Ladung fahren könnten.
Keiner dieser Posten beeindruckt für sich. Über drei Tage summiert können sie die Freitagssendung um einige Dutzend Prozent teurer machen als dieselbe Relation mit Start am Dienstagmorgen. Diese Differenz zahlt immer jemand: Sie in der Rate, der Frachtführer in der Marge, meist beide anteilig.
Booking-in in UK: Der Slot verfällt, die Schlange wächst
Auf der UK-Relation kommt ein weiterer Punkt dazu: Eine Anlieferung an ein Distributionszentrum ohne Avisierung findet praktisch nicht statt. Wie wir im Artikel über die Avisierung von Lieferungen in UK erklären, verliert ein verspätetes Fahrzeug seinen Slot, und der nächste ist oft erst Tage später frei. Geht die Ladung an eine Handelskette, kann die Verspätung Vertragsstrafen auf Seiten Ihres Kunden auslösen. Aus dem Wochenendstopp auf dem Kontinent wird dann ein einwöchiges Loch in der Lieferkette.
So planen Sie, damit Sie nicht für das Wochenende zahlen
- Fernverkehre durch Deutschland spätestens am Donnerstag oder Freitagvormittag auf die Straße bringen.
- Auf festen Linien den Wochenrhythmus so legen, dass Freitagsverladungen kurze Strecken sind, die vor der Verbotszone enden.
- Ist die Ware erst am Freitagnachmittag fertig, lohnt die Verladung in ein Zwischenlager mit Abfahrt am Sonntagabend: Das Fahrzeug startet am Montag vorn in der Schlange, nicht hinten.
- UK-Zeitfenster mit Puffer buchen, für Montagnachmittag oder Dienstagvormittag, nicht für Montag 8 Uhr.
- Das Ende der Verladung als Uhrzeit vereinbaren, nicht nur als Datum: Für den Fahrer ist der Unterschied zwischen 12 und 16 Uhr der Unterschied zwischen Fahren und Stehen.
Die Rolle von OTSL
Bevor wir eine Ladung annehmen, rechnen wir ihre realistische Laufzeit durch, mit Lenkzeiten und den Fahrverboten auf der Route. Bedeutet die Freitagsverladung eine Lieferung am Dienstag, sagen wir das offen und schlagen eine günstigere oder schnellere Variante vor, bevor die Ware Ihre Rampe verlässt. Schreiben Sie uns, wenn Ihre Sendungen regelmäßig ans Wochenende fallen, oder sehen Sie in unsere Wissensdatenbank.
Warum verteuert eine Verladung am Freitagnachmittag den Transport erheblich?
Eine Verladung am Freitagnachmittag aktiviert mehrere Einschränkungen gleichzeitig, darunter ablaufende Tageslenkzeiten der Fahrer, bevorstehende Wochenendfahrverbote in Transitländern sowie die Schließung von Empfangslagern und den Verlust von Booking-in-Slots.
Schritt für Schritt
- Versandplanung. Planen Sie die Abholung im Voraus, um Risiken am Freitagnachmittag zu vermeiden.
- Prüfung der Lenkzeiten. Kontrollieren Sie die verbleibende Tageslenkzeit des Fahrers vor Fahrtantritt.
- Zeitfensterabstimmung. Bestätigen Sie die Öffnungszeiten des Empfangslagers und sichern Sie den Booking-in-Slot.
- Fahrverbotanalyse. Überprüfen Sie Wochenendfahrverbote entlang der Transitroute durch verschiedene Länder.
- Parkplatzsicherung. Planen Sie sichere Stellplätze für den Fall einer vorgeschriebenen Wochenendruhezeit ein.
Definitionen
- Booking-in-Slot: Ein vereinbartes Zeitfenster für die Anlieferung und Warenannahme im Lager des Empfängers.
- Tageslenkzeit: Die gesetzlich zulässige Höchstdauer, die ein Fahrer vor einer vorgeschriebenen Ruhezeit am Steuer verbringen darf.
- Wochenendfahrverbote: Verkehrseinschränkungen für Schwerlastfahrzeuge an bestimmten Tagen und zu bestimmten Zeiten in europäischen Transitländern.
- Entladefenster: Ein vom Empfänger festgelegter Zeitraum, in dem Lieferungen entladen werden können.
Wann gilt diese Regel nicht?
Diese Regel gilt nicht, wenn der Transport mit Express-Transportern durchgeführt wird, die unter den relevanten Gewichtsgrenzen liegen und somit von den Wochenendfahrverboten ausgenommen sind.
Quellen
Verordnung (EG) Nr. 561/2006 über Lenkzeiten (eur-lex.europa.eu)
KI-Grafik