Ein Frachtpreis besteht aus Kraftstoff, Fahrerlohn, Fahrzeugkosten, Maut, Versicherungen, Organisation und Marge. Der Dieselzuschlag ist ein vertraglicher Mechanismus, der den Kraftstoffanteil des Preises an einen veröffentlichten Dieselpreisindex koppelt. Deshalb darf ein „garantierter" Kontraktpreis steigen: Garantiert sind Basis und Formel, nicht der Endbetrag.
Woraus sich der Frachtpreis zusammensetzt
Bevor wir über den Zuschlag sprechen, lohnt der Blick darauf, was Sie eigentlich einkaufen. Die typischen Bestandteile eines Komplettladungspreises sehen so aus:
| Bestandteil | Charakter | Was ihn bewegt |
|---|---|---|
| Kraftstoff | Einer der größten und schwankungsanfälligsten Posten | Dieselpreise, Route, Fahrweise, Ladungsgewicht |
| Fahrerlohn | Fix, mit der Zeit steigend | Mindestlöhne, Entsenderegeln, Fahrermangel |
| Fahrzeug | Fix | Leasing oder Abschreibung, Wartung, Reifen |
| Straßenkosten | Routenabhängig | Maut, Vignetten, Tunnel, Fähren |
| Versicherungen | Fix | Frachtführerhaftpflicht, Kfz-Versicherung, Warenart |
| Organisation | Fix | Disposition, Avisierungen, Dokumente, Auftragsabwicklung |
| Marge | Marktgetrieben | Laderaumangebot auf der Relation, Saison, Export-Import-Verhältnis |
Der Kraftstoff sticht heraus, weil sich sein Preis schneller ändern kann als jeder Vertrag. Alle anderen Posten kann ein Frachtführer ein Jahr im Voraus kalkulieren, den Preis an der Zapfsäule kann niemand kalkulieren.
Wie funktioniert der Zuschlagsmechanismus?
Ein ehrlicher Dieselzuschlag hat vier Elemente:
- Referenzindex: eine öffentliche, unabhängige Quelle für Dieselpreise, etwa das wöchentliche Kraftstoffpreis-Bulletin der Europäischen Kommission oder nationale Großhandelsnotierungen. Keine Partei darf den Index beeinflussen können.
- Basisniveau: der Kraftstoffpreis, mit dem der Vertragspreis kalkuliert wurde. Das ist der Nullpunkt des ganzen Mechanismus.
- Aktivierungsschwelle: der Zuschlag greift erst, wenn der Index um einen vereinbarten Wert von der Basis abweicht. Kleine Schwankungen lassen den Preis unberührt, der Mechanismus reagiert auf echte Marktbewegungen.
- Abrechnungszeitraum: der Preis wird in einem festen Rhythmus neu berechnet, etwa monatlich oder quartalsweise, auf Basis des Periodendurchschnitts statt eines einzelnen Tages.
Die Kerneigenschaft eines gesunden Mechanismus ist Symmetrie. Wird der Diesel teurer, steigt der Preis, wird er billiger, sinkt der Preis nach derselben Formel. Ein Zuschlag, der nur nach oben wirkt, ist kein Zuschlag, sondern eine verkleidete einseitige Preiserhöhung.
Spotpreis oder Kontraktpreis
Der Spotpreis ist der Preis einer einzelnen Fahrt, hier und jetzt. Er enthält den aktuellen Dieselpreis und die aktuelle Marktlage, braucht also keinen Zuschlag, kann aber von Woche zu Woche springen. Der Kontraktpreis gilt für einen längeren Zeitraum. Er gibt Budgetsicherheit und garantierten Laderaum, muss die Kraftstoffvolatilität aber irgendwie auffangen. Genau dafür ist der Dieselzuschlag da: Er hält den Basispreis über die gesamte Laufzeit konstant und beschränkt den variablen Teil auf einen einzigen, transparenten Parameter. Ohne ihn würde der Frachtführer das Kraftstoffrisiko von vornherein einpreisen, und Sie zahlten diese Reserve auch dann, wenn der Diesel billiger wird.
So sieht es in der Praxis aus
Sie unterschreiben einen Jahresvertrag mit einem Basispreis, kalkuliert bei einem bestimmten Dieselpreis aus einem öffentlichen Bulletin. Der Vertrag sagt: Neuberechnung monatlich, auf Basis des Vormonatsdurchschnitts, nur wenn die Abweichung von der Basis die vereinbarte Schwelle überschreitet, und nur auf den Kraftstoffanteil des Preises. Wird der Diesel teurer, steigt die Rechnung um das Ergebnis der Formel. Wird er billiger, sinkt sie nach derselben Formel. In beiden Fällen können Sie Bulletin und Taschenrechner nehmen und jede Position selbst nachprüfen.
Worauf sollten Sie in Verträgen achten?
- ein Zuschlag, der nur nach oben wirkt, ohne Senkungen bei fallenden Dieselpreisen,
- ein unklarer oder privater Referenzindex, den Sie nicht selbst prüfen können,
- kein angegebenes Basisniveau, sodass unklar bleibt, wovon die Abweichung gemessen wird,
- ein Recht zur Preisänderung „bei Kostensteigerungen" ohne Formel, Schwelle und Abrechnungsrhythmus,
- eine Änderung des Basisniveaus während der Laufzeit ohne Zustimmung beider Seiten,
- ein Zuschlag auf den gesamten Preis statt auf dessen Kraftstoffanteil.
Fragen, die Sie Ihrer Spedition stellen sollten
- Welcher Index liegt dem Zuschlag zugrunde und wo kann ich ihn einsehen?
- Welcher Dieselpreis ist das Basisniveau meines Preises?
- Ab welcher Abweichung greift der Zuschlag?
- Wie oft wird neu berechnet und über welchen Zeitraum wird gemittelt?
- Wirkt die Formel nach oben und unten identisch?
- Auf welchen Teil des Preises wird der Zuschlag angewendet?
Eine Spedition, die diese Fragen konkret beantwortet, hat einen nachrechenbaren Mechanismus. Eine Spedition, die mit Allgemeinplätzen antwortet, bittet Sie um eine Blankounterschrift. Siehe auch: Warum wir keine Ladungen an Frachtbörsen kaufen, das OTSL-Modell und Haftungsgrenze 8,33 SZR/kg: warum die Frachtführerhaftung nicht reicht. Siehe auch: Maut in Europa: woraus dieser Teil des Frachtpreises besteht.
Die Rolle von OTSL
In unseren Verträgen für den Straßentransport FTL arbeiten wir mit öffentlichen Indizes und Formeln, die der Kunde selbst nachrechnen kann: Basis, Schwelle, Zeitraum, Symmetrie. So dreht sich das Preisgespräch um Zahlen, nicht um Vertrauensvorschuss. Wenn Sie Ihre aktuelle Kraftstoffklausel mit einer transparenten Variante vergleichen möchten, schreiben Sie uns, weitere Ratgeber finden Sie in unserer Wissensdatenbank.
Definitionen
- Dieselzuschlag: Ein vertraglicher Mechanismus, der den Frachtpreis automatisch an die aktuellen Veränderungen der Dieselpreise anpasst.
- Frachtpreis: Die Gesamtkosten des Transports, die unter anderem Kraftstoff, Fahrerlohn, Maut und Organisationskosten umfassen.
- Dieselpreisindex: Eine veröffentlichte Datenquelle, die als Referenz für die Berechnung von Preisabweichungen dient.
- Basisniveau: Der im Vertrag vereinbarte Ausgangswert des Kraftstoffpreises, von dem aus Erhöhungen oder Senkungen berechnet werden.
- Aktivierungsschwelle: Die festgelegte Preisabweichung beim Kraftstoff, ab der die Preisanpassung in Kraft tritt.
Wann gilt diese Regel nicht?
Diese Regelung gilt nicht für Spotmarkt-Aufträge, bei denen der Preis für eine einzelne Fahrt individuell vereinbart wird und den aktuellen Tagespreis für Kraftstoff bereits berücksichtigt.
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