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ETS2 und CO2 im Transport: warum Straßentransporte ab 2027 teurer werden

Ab 2027 fallen Kraftstoffe im Straßentransport unter das ETS2, ein eigenes EU-Emissionshandelssystem. Die Kosten der Zertifikate tragen die Kraftstofflieferanten und geben sie über den Dieselpreis an die Frachtraten weiter. Wir erklären den Mechanismus und die Maut als Vorboten.

Ab 2027 fallen die im Straßentransport verbrannten Kraftstoffe unter das ETS2, ein eigenes EU-Emissionshandelssystem, eingeführt durch die Richtlinie (EU) 2023/959. Die Kosten der Zertifikate tragen die Kraftstofflieferanten, die sie in den Dieselpreis und damit in die Frachtraten weitergeben. Es ist ein Systemkostenfaktor der gesamten Branche; ordnen Sie deshalb schon jetzt die Kraftstoffklauseln in Ihren Verträgen.

ETS2 ist ein neues, vom bisherigen EU-ETS getrenntes Emissionshandelssystem für Kraftstoffe, die unter anderem im Straßentransport verbrannt werden. Es funktioniert nach dem Cap-and-Trade-Prinzip: Die Gesamtmenge der Zertifikate ist begrenzt, die erfassten Unternehmen müssen Zertifikate kaufen und abgeben. Die Pflichten liegen bei den Kraftstofflieferanten, nicht bei deren Kunden.

Woher das ETS2 kommt

Der EU-Emissionshandel erfasste über Jahre vor allem Energiewirtschaft und Industrie. Die Richtlinie (EU) 2023/959 erweitert den Mechanismus um ein neues, eigenständiges System, das ETS2, das unter anderem die im Straßentransport verbrannten Kraftstoffe erfasst und ab 2027 gilt. Die Logik ist einfach: Wenn die Emission aus dem Schornstein einen Preis hat, bekommt auch die Emission aus dem Auspuff einen. Die Zertifikatemenge ist gedeckelt, und ein gedeckeltes Angebot bei stabiler Kraftstoffnachfrage bedeutet: Emissionen sind kein kostenloser Bestandteil eines Transports mehr.

Wer real formal zahlt und wer?

Das häufigste Missverständnis rund um das ETS2 lautet: Die Transportunternehmen müssen Zertifikate kaufen. Müssen sie nicht. Die Pflichten im ETS2 liegen bei den Kraftstofflieferanten, die den Kraftstoff in Verkehr bringen. Sie geben die Zertifikate ab und kalkulieren deren Kosten in den Literpreis ein, an der Tankstelle wie im Großhandel. Der Frachtführer zahlt an der Zapfsäule, der Auftraggeber in der Frachtrate, denn Kraftstoff ist einer der größten Kostenblöcke jedes Transports.

Eine Preisprognose für Zertifikate oder eine Hochrechnung auf die Raten finden Sie hier bewusst nicht, denn jede solche Zahl wäre heute geraten. Das System sieht einen Preisstabilisierungsmechanismus vor, der starke Ausschläge dämpfen soll, aber die Richtung ist eindeutig: Die Emissionskosten wandern in den Kraftstoffpreis. Ein ehrliches Gespräch über Raten ab 2027 beginnt deshalb mit einem Satz: Das ist keine Gier des Frachtführers, sondern ein Systemkostenfaktor, der alle Marktteilnehmer gleichermaßen trifft.

Deutschland zeigt die Richtung: Maut mit CO2-Komponente

Wer den Trend in der Praxis sehen will, muss nicht bis 2027 warten. Deutschland erhebt die Lkw-Maut seit Dezember 2023 mit einer CO2-Komponente: Fahrzeuge werden Emissionsklassen zugeordnet, und die Mauthöhe hängt davon ab, wie viel das Fahrzeug emittiert. Grundlage ist die geänderte Eurovignetten-Richtlinie (EU) 2022/362, die es den Mitgliedstaaten erlaubt, Straßenentgelte nach Emissionen zu differenzieren. Das Verursacherprinzip ist in der Maut also schon sichtbar, bevor das ETS2 den Kraftstoff selbst erfasst.

KriteriumETS2CO2-Komponente in der Maut (Beispiel: Deutschland)
RechtsgrundlageRichtlinie (EU) 2023/959Richtlinie (EU) 2022/362 (Eurovignette)
Gültig ab2027Dezember 2023
Wer formal abrechnetKraftstofflieferantender Frachtführer bei der Mauterhebung
Wo die Kosten sichtbar werdenim Kraftstoffpreisim Mautsatz je nach Emissionsklasse

Was können Sie als Auftraggeber tun?

  • Ordnen Sie die Kraftstoffklauseln. Da die Emissionskosten in den Kraftstoffpreis einfließen, entscheidet die Kraftstoffklausel, wie sich die Änderung auf die Vertragsparteien verteilt. Wie eine solche Klausel funktioniert, erklären wir im Artikel über den Dieselzuschlag: Prüfen Sie den Referenzindex, den Aktualisierungsrhythmus und die Schwelle, ab der die Anpassung greift.
  • Kennen Sie die Struktur der Rate. Kraftstoff, Maut, Fahrerkosten und Fixkosten machen den Transportpreis in unterschiedlichen Anteilen aus; wir zerlegen sie im Beitrag über die Bestandteile eines FTL-Preises. Wer die Struktur versteht, unterscheidet echte Kostensteigerungen von Verhandlungsnebel.
  • Fragen Sie nach der Flotte. In Deutschland schlägt sich die Emissionsklasse schon heute in der Maut nieder. Ein Frachtführer mit modernerem, emissionsärmerem Fuhrpark fährt günstiger und kalkuliert auf Korridoren mit CO2-Maut verlässlicher.
  • Kaufen Sie keine Immunitätsversprechen. Kein Frachtführer kann Kosten vermeiden, die beim Lieferanten in den Kraftstoffpreis einfließen. Ein Angebot, das etwas anderes behauptet, verschiebt das Risiko nur an eine weniger sichtbare Stelle des Vertrags.

Die Rolle von OTSL

Wir verfolgen die Kostenregulierung auf den wichtigsten Korridoren und übersetzen sie in Vertragssprache: klare Kraftstoffklauseln, eine transparente Ratenstruktur und Frachtführer, deren Fuhrpark zur Route passt. Wenn Sie Ihr Transportbudget auf die ETS2-Jahre vorbereiten wollen, schreiben Sie uns oder stöbern Sie in unserer Wissensdatenbank.

Schritt für Schritt

  1. Verträge prüfen. Überprüfen Sie bestehende Transportvereinbarungen auf Regelungen zu Kraftstoffpreisen.
  2. Klauseln anpassen. Fügen Sie eine klare Treibstoffklausel ein, die emmissionsbedingte Preisänderungen berücksichtigt.
  3. Budget kalkulieren. Berücksichtigen Sie künftige Frachtratenanpassungen in Ihren langfristigen Finanzplanungen.
  4. Routen optimieren. Reduzieren Sie Leerfahrten und optimieren Sie die Transportplanung zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs.
  5. Spediteur einbinden. Besprechen Sie mit Ihrem Logistikpartner geeignete Schritte zur Anpassung der Transportabläufe.

Definitionen

  • ETS2 (Emissionshandelssystem 2): Ein neues EU-Emissionshandelssystem für Kraftstoffe, die unter anderem im Straßentransport verbrannt werden.
  • EU-ETS (Emissionshandelssystem der Europäischen Union): Das ursprüngliche Emissionshandelssystem der EU, das bislang vor allem die Energiewirtschaft und Industrie umfasste.
  • Cap-and-Trade (Mengenbegrenzung und Handel): Ein marktwirtschaftliches System zur Emissionskontrolle mit begrenzter Gesamtmenge an abgabepflichtigen Zertifikaten.
  • Treibstoffklausel: Eine vertragliche Regelung zur Anpassung der Frachtraten an schwankende Kraftstoffpreise.

Wann gilt diese Regel nicht?

Diese Regelung gilt nicht für Fahrzeuge mit emissionsfreien Antrieben sowie für Beförderungen, die vollständig außerhalb des geografischen Anwendungsbereichs des EU-Rechts verlaufen.

Quellen

Richtlinie (EU) 2023/959 (eur-lex.europa.eu)
Richtlinie (EU) 2022/362 zur Änderung der Eurovignetten-Richtlinie (eur-lex.europa.eu)
Europäische Kommission, GD Klimapolitik, ETS2 (climate.ec.europa.eu)

Häufige Fragen

Legt das ETS2 den Frachtführern direkte Pflichten auf?
Nein. Die Pflicht zur Abgabe der ETS2-Zertifikate liegt bei den Kraftstofflieferanten, die den Kraftstoff in Verkehr bringen. Frachtführer spüren das System indirekt über höhere Kraftstoffpreise, Auftraggeber über die Kraftstoffklauseln in den Frachtraten.
Ab wann erfasst das ETS2 die Kraftstoffe im Straßentransport?
Ab 2027, gemäß der Richtlinie (EU) 2023/959, die den EU-Emissionshandel um das eigenständige System ETS2 für unter anderem im Straßentransport verbrannte Kraftstoffe erweitert. Das System folgt dem Cap-and-Trade-Prinzip und sieht einen Preisstabilisierungsmechanismus vor.
Was ist die CO2-Komponente in der deutschen Lkw-Maut?
Seit Dezember 2023 enthält die deutsche Maut eine von den CO2-Emissionen abhängige Komponente: Fahrzeuge werden Emissionsklassen zugeordnet, und die Maut steigt mit der Emission. Grundlage ist die geänderte Eurovignetten-Richtlinie (EU) 2022/362. Emissionsärmere Fahrzeuge zahlen weniger Maut.

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