Wenn ein Sturm die Abfahrten aussetzt, ist die Ladung nicht verloren, sie wartet: Die Fährbetreiber schieben die Lkw auf die nächsten verfügbaren Abfahrten, und die Schlange baut sich über Stunden ab. Aufgabe des Spediteurs ist dann die Umbuchung auf die nächste realistische Abfahrt oder der Wechsel des Korridors, die sofortige Nachricht an den Empfänger und ein verschobenes Entladefenster, bevor jemand Verluste zu zählen beginnt.
Was passiert im Hafen?
Eine gestrichene Abfahrt verschwindet nicht aus dem Plan, sie schiebt alles nach vorn. Lkw mit früheren Buchungen belegen die Plätze auf den folgenden Abfahrten, ein einziger Sturm kann sich also über einen ganzen Betriebstag ziehen. Es hilft die Größe des Korridors: Allein DFDS nennt auf Dover-Calais bis zu 30 Abfahrten pro Tag, sobald der Hafen wieder öffnet, kann sich die Schlange also abbauen. Ein Fahrer in der Schlange beschleunigt nichts, deshalb fallen die Entscheidungen beim Spediteur: Buchung halten oder den Lkw dorthin verlegen, wo der Verkehr schon läuft.
Der Plan B des Spediteurs
Auf der kurzen Route liegt der Plan B oft auf der anderen Seite derselben Autobahn: Der Eurotunnel-Shuttle hängt nicht vom Seegang ab und ist bei gestrichenen Fähren häufig die erste Wahl, sofern die Ladung nicht vom Tunnel ausgeschlossen ist. Wie diese Wahl funktioniert, beschreibt der Text Fähre oder Eurotunnel. Danach kommen Abfahrten aus anderen Häfen und die Verschiebung auf den nächsten freien Termin. Wie schnell wir einen neuen Platz bekommen, entscheiden das Frachtkonto und die Zusammenarbeit mit den Betreibern, also genau das, worauf die Leistung Fährbuchung aufbaut.
Kommunikation mit dem Empfänger
Die teuerste Folge eines Sturms ist meist nicht die Überfahrt selbst, sondern das verlorene Entladefenster. Läger in Großbritannien arbeiten mit Avisierung, ein ohne Vorwarnung um einen halben Tag verspäteter Lkw kann also ans Ende der Schlange rutschen und einen ganzen Tag verlieren. Deshalb erfährt der Empfänger von uns direkt nach der Streichung der Abfahrt, mit neuer Uhrzeit und der Bitte um Slotverschiebung, statt einen Anruf des Fahrers vom Tor zu bekommen. Auf festen Exportlinien, wie auf der Seite Exportunterstützung UK beschrieben, ist diese Prozedur vorab vereinbart.
Wer wetterrisiko trägt das?
Ein Sturm ist ein Umstand, den der Frachtführer nicht beseitigen kann, aber er entbindet nicht vom Handeln: Es zählen die dokumentierte Streichung, die unverzügliche Meldung und eine vernünftige Alternative. Wie eine Verspätung abgerechnet wird, hängt vom Vertrag und vom Frachtrecht ab. Statt zu versprechen, dass Wetter uns nichts angeht, zeigen wir, wie wir seine Kosten begrenzen: Buchung mit Reserve an sturmträchtigen Tagen, eine auf die Ladung geprüfte Alternativüberfahrt und ein Empfänger, der vom Problem früher weiß als seine Rampe.
Wie steuerst Du Lenkzeiten und Kühlkette bei stundenlangem Hafenstillstand?
Wenn ein LKW länger als 12 Stunden im Stau vor dem Terminal steht, werden die Steuerung der Lenk- und Ruhezeiten sowie der Kälteaggregat-Treibstoff entscheidend. Eine reguläre Ruhezeit von 9 Stunden musst Du einplanen, bevor das Fahrzeug in die enge Pufferzone des Hafens einfährt. Das schrittweise Aufrücken alle 20 Minuten unterbricht die Ruhezeit auf dem digitalen Tachografen zwingend. Bei frische- oder tiefkühlgeführten Transporten mit 33 Paletten verbraucht das Aggregat rund 2,5 Liter Diesel pro Stunde, um eine Soll-Temperatur von -18°C zu halten.
Bevor Du eine Ausweichroute über den Eurotunnel wählst, muss der Füllstand des Kühlmitteltanks mindestens 85% betragen. Der Tunnelbetreiber wendet für den Roll-on/Roll-off-Verkehr strengere ADR-Beschränkungen an als die Reedereien im Fährverkehr.
Diese Ausweichregel gilt nicht uneingeschränkt: Wenn der Sattelzug eine Gesamtlänge von 16,5 Metern überschreitet oder Gefahrgut der Klassen 1 bzw. 7 lädt, ist die Durchfahrt durch den Eurotunnel ausgeschlossen. In diesem Fall muss der Fahrer das Ende des Sturms im Parkareal des Hafens abwarten.
Schritt für Schritt
- Hafenmeldungen prüfen. Sie überprüfen die offiziellen Hinweise zur Einstellung des Seeverkehrs wegen Unwetters.
- Fahrzeugverzögerung bewerten. Sie schätzen die voraussichtliche Wartezeit des Lkw in der Zufahrtsschlange zum Hafen.
- Umbuchung durchführen. Sie veranlassen die Umbuchung auf die nächste verfügbare Abfahrt oder wechseln den Fährkorridor.
- Empfänger benachrichtigen. Sie übermitteln den aktuellen Frachtstatus und vereinbaren ein neues Entladefenster im Lager.
- Ablaufplan anpassen. Sie aktualisieren den Zeitplan im Zeitfenstersystem, um unnötige Standzeiten zu vermeiden.
Definitionen
- Umbuchung: Erneute Reservierung eines Fähr- oder Zugplatzes nach Ausfall der ursprünglichen Abfahrt.
- Transportkorridor: Eine festgelegte Route, die Lade- und Entladeorte über bestimmte Häfen verbindet.
- Entladefenster: Der vereinbarte Zeitrahmen, in dem der Empfänger das Fahrzeug am Zielort annimmt.
- Betriebstag: Der gesamte Ablauf geplanter Abfahrten und Abfertigungen im Hafen im Laufe eines Tages.
Die Rolle von OTSL
Wenn schlechtes Wetter den Seeverkehr blockiert, steuert OTSL die Abläufe lösungsorientiert und übernimmt die effiziente Fährbuchung. Wir überwachen die Route fortlaufend und reagieren schnell, falls eine Rekonsignation erforderlich wird, um Verzögerungen zu minimieren.
KI-Grafik