Die Fähre Dover-Calais und der Eurotunnel-Shuttle zwischen Folkestone und Coquelles bedienen denselben Korridor zwischen dem Kontinent und Großbritannien, doch die Wahl ist keine Geschmacksfrage. Drei Dinge entscheiden: die Art der Ladung, denn der Tunnel schließt einen Teil der Gefahrgüter aus, die Wetterempfindlichkeit des Termins und die an dem Tag verfügbaren Plätze auf dem Frachtkonto.
Eine Grenze, zwei sehr verschiedene Überfahrten
Die Tunnelpassage selbst ist kürzer als die Fährüberfahrt, aber die reale Lieferzeit ist die ganze Kette: Anfahrt, Kontrollen, Warteschlange am Terminal, die nächste verfügbare Abfahrt. Zur Einordnung: Der Shuttle schafft Folkestone-Calais in 35 Minuten und fährt in der Spitze bis zu 6 Mal pro Stunde, die DFDS-Fähre braucht für Dover-Calais rund 90 Minuten, bei bis zu 30 Abfahrten am Tag. Beide Varianten fahren mehrmals täglich, an einem ruhigen Tag ist der Unterschied also kleiner, als die Karte vermuten lässt. Deshalb vergleichen wir die Zeit von Rampe zu Rampe, nicht nur den Abschnitt über den Ärmelkanal. Wie die Gesamtstrecke aussieht, beschreiben die Leistung Straßentransport und die Zielseite Transport nach Großbritannien.
Ausgeschlossene Ladung: ADR im Tunnel
Der härteste Filter ist Gefahrgut. Die Beförderung durch den Tunnel folgt eigenen, strengeren Regeln als die Fährpassage: Einige ADR-Klassen und Mengen sind im Tunnel nicht zugelassen oder an Bedingungen geknüpft, die Liste der Einschränkungen veröffentlicht der Betreiber der Überfahrt. Auch Fähren haben Anforderungen, darunter die Gefahrgutanmeldung vor der Abfahrt, doch das Spektrum der zulässigen Ladungen ist breiter. Bei ADR fällt die Entscheidung daher, bevor der Lkw startet: Wir melden die Ladung bei der Buchung an und wählen die Überfahrt, die sie annimmt. Auch deshalb liegt die Fährbuchung bei uns beim Spediteur, nicht beim Fahrer am Gate.
Wind und Wetter
Ein Sturm auf dem Kanal kann Abfahrten aussetzen, und dann wächst die Schlange im Hafen stundenweise. Der Tunnel-Shuttle hängt nicht vom Seegang ab, bei empfindlichen Winterterminen ist er seinen Preis also auch dann wert, wenn die Fähre günstiger wäre. Was mit der Ladung passiert, wenn eine Überfahrt gestrichen wird, zeigt der Artikel über Sturm und gestrichene Überfahrt.
So fällt die Entscheidung in der Praxis
Bei der Buchung übermitteln wir Fahrzeug- und Ladungsdaten, und für die Einfahrt nach Großbritannien bündeln wir die Zollanmeldungen in einer GMR-Nummer (Goods Movement Reference, Grenznummer für UK), ohne die der Lkw weder in den Hafen noch aufs Terminal kommt. Das System erklärt der Text ELO, ENS, GMR: was das ist und wann es gilt. Die Rechnung ist einfach: Ein verlorener Slot der Überfahrt bedeutet praktisch einen Tag Verspätung, denn mit ihm verschiebt sich das Entladefenster beim Empfänger. Also buchen wir die Überfahrt mit Plan B und überwachen sie so genau wie die Abfertigung.
Wie beeinflussen die Lenk- und Ruhezeiten die Wahl zwischen Fähre und Zug?
Beim Kanalübertritt musst Du die Vorschriften zu den Lenk- und Ruhezeiten exakt mit dem Transportplan abstimmen. Im Fähr- oder Zugmodus des Tachographen darfst Du eine regelmäßige Tagesruhezeit von mindestens 11 Stunden maximal 2 Mal unterbrechen. Die Gesamtdauer aller Unterbrechungen für das Auf- und Abfahren auf das Schiff oder den Zug darf dabei 60 Minuten nicht überschreiten. Bei einer Fährüberfahrt von 90 Minuten kann der Fahrer einen Teil seiner Ruhezeit legal auf dem Schiff absolvieren, was besonders hilft, wenn vor dem Hafenterminal weniger als 45 Minuten Restlenkzeit verbleiben.
Beim Eurotunnel dauert die reine Zugfahrt nur 35 Minuten. Diese Zeit reicht nicht aus, um eine vorgeschriebene Fahrtunterbrechung von 45 Minuten während der Fahrt anzurechnen. Wenn sich die Anfahrtszeit durch Staus um 10% verlängert, musst Du den Stopp vor der Zollabwicklung und dem Check-in einplanen, um Lenkzeitüberschreitungen direkt nach der Ausfahrt zu vermeiden.
- Auf der Fähre lässt sich bei 90 Minuten Überfahrtszeit eine Ruhezeit rechtssicher in den Ablauf integrieren.
- Beim Eurotunnel muss die 45-minütige Pause wegen der kurzen Fahrzeit von 35 Minuten zwingend vor der Verladung stattfinden.
Diese Regelung zur Unterbrechung der Ruhezeit gilt nicht bei einer Doppelbesetzung. Im Zweifahrerbetrieb wird die Arbeitszeit in einem 30-Stunden-Zyklus berechnet, in dem die auf dem Beifahrersitz verbrachte Zeit als Pause gewertet wird, sodass der Fähr-Sondermodus entfällt.
Schritt für Schritt
- Prüfung der Frachtspezifikation. Sie prüfen, ob die transportierten Güter vom Tunneltransport ausgeschlossen sind.
- Bewertung der Lieferfrist. Sie bestimmen, wie stark der Zeitplan von Wetterbedingungen abhängt.
- Überprüfung der Platzverfügbarkeit. Sie kontrollieren freie Plätze auf den Frachtkonten für beide Überfahrtsoptionen.
- Auswahl der optimalen Route. Sie entscheiden sich unter Berücksichtigung der Gesamtfahrzeit für Fähre oder Zug.
- Buchung und Überwachung. Sie führen die Buchung durch und überwachen die Wartezeiten am Terminal.
Definitionen
- Eurotunnel: Ein Eisenbahntunnel, der Folkestone in Großbritannien mit Coquelles in Frankreich verbindet.
- DFDS (Det Forenede Dampskibs-Selskab): Eine dänische Fährgesellschaft, die Fahrten zwischen Dover und Calais betreibt.
- ADR (Accord Dangereux Routier): Das europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße.
- Shuttle: Ein Güterzug, der Lastkraftwagen durch den Ärmelkanaltunnel transportiert.
- Frachtkonto: Ein Konto beim Verkehrsanbieter zur Buchung und Abrechnung von Fähr- und Zugüberfahrten.
Die Rolle von OTSL
Bei Transporten nach Großbritannien unterstützt OTSL bei der Auswahl der passenden Überfahrt. Unser Service Fährbuchung sichert Plätze auf Fähren und Zügen, während der ADR-Transport die Einhaltung der Vorschriften für Gefahrgut gewährleistet.
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