JIT (just-in-time) bedeutet Lieferung genau dann, wenn die Produktion die Komponenten braucht: im festgelegten Fenster, ohne Zwischenlagerung. JIS (just-in-sequence) geht einen Schritt weiter: die Teile kommen zusätzlich in Montagereihenfolge, geordnet nach der Sequenz der vom Band laufenden Fahrzeuge. Für den Transport ist der Unterschied grundlegend, denn bei JIS zählt neben der Stunde der Lieferung auch die Ordnung der Ladung.
JIT: Lieferung zur Zeit, nicht ins Lager
Im Just-in-time-Modell hält das Werk minimale Bestände am Band, und Komponenten kommen in Zeitfenstern, die mit dem Produktionsplan synchronisiert sind. Ein Fenster wird mitunter in Stunden gemessen. Zu spät riskiert den Bandstillstand, zu früh heißt kein Platz im Puffer und ein wartender Lkw auf dem Hof, manchmal verwiesen auf einen Parkplatz außerhalb des Werks.
JIS: zur Zeit und in der richtigen Reihenfolge
Just-in-sequence fügt die zweite Dimension hinzu. Teile wie Stoßfänger, Sitze oder Cockpitmodule kommen in der Reihenfolge, in der sie in konkrete Karosserien montiert werden. Das Material fährt oft in dedizierten Gestellen des Empfängers, geordnet nach Sequenzliste. Eine vertauschte Reihenfolge kostet in der Wirkung so viel wie eine Verspätung, denn das Band hat keine Zeit zum Sortieren: die Sequenz muss vom Auflieger direkt in die Produktion.
Was bedeutet das für Verladung und Route?
- Die Ordnung auf dem Auflieger spiegelt die Sequenz: was zuerst abgeht, steht an den Türen.
- Kein Umpacken: die beim Versender gebaute Sequenz muss unberührt ankommen, Umschläge unterwegs entfallen.
- Feste Fenster und Avisierung: wie sie praktisch funktionieren, beschreibt der Beitrag über Avisierung und Entladefenster in Automotive-Werken.
- Kommunikation: der Planer des Empfängers will vom Problem wissen, bevor es im Fenster sichtbar wird, nicht danach.
Die Rolle des Spediteurs bei JIT und JIS
Der Spediteur plant die Route rückwärts vom Fenster, mit Puffer für Grenzen und Stau, hält die Avisierung aktuell und sagt die Wahrheit über die Position des Lkw. Gerät ein Fenster in Gefahr, kann parallel ein Express-Transporter mit einer Rettungspartie starten, damit das Band das Minimum zum Arbeiten bekommt, bis der Rest eintrifft. So führen wir die festen Verkehre der Seite Automotive-Logistik.
Wo anfangen
Wer neu in Werklieferungen ist, beginnt beim Verständnis der Zeitfenster und der Folgen einer Verspätung, aufgeschlüsselt im Artikel über Slot-Lieferungen im Automotive. JIT und JIS verzeihen keine Improvisation, belohnen aber Disziplin: ein Lieferant, der die Fenster hält, ist dem Werk mehr wert als das billigste Angebot in der Ausschreibung.
Wie berechnest du das Zeitfenster auf der Route von Polen nach Großbritannien und wann verliert JIS seinen Sinn?
Bei der Planung eines JIS-Transports musst du einen präzisen Zeitpuffer einkalkulieren. Das Zeitfenster an den Entladestellen der Automobilwerke beträgt häufig nur 15 Minuten. Für den Fahrer auf der Strecke von Polen nach Großbritannien bedeutet dies, dass neben den Lenk- und Ruhezeiten auch Zeit für die Zollabfertigung eingeplant werden muss. Bei einer Fahrtstrecke von mehr als 1000 Kilometern beträgt der Sicherheitspuffer mindestens 2 Stunden vor der Hafeneinfahrt oder dem Shuttlezug, weitere 60 Minuten planst du für eventuelle Grenzkontrollen ein. Ein Auflieger mit 33 Paletten muss beladen werden, ohne die Achslast von 11,5 Tonnen zu überschreiten, da jedes Umladen bei einer Kontrolle die vorgegebene Sequenz zerstört.
Das JIS-System verlangt von dir eine Überwachung der Fahrzeugposition per GPS alle 5 Minuten. Reißt das Fahrzeug das Zeitfenster, steht die Montagelinie still — Bandstillstände führen zu Kosten für jede angefangene Minute, deren konkrete Höhe von den Vertragsbedingungen zwischen Lieferant und Werk abhängt.
Diese Sequenzierungsregel GILT NICHT für Bauteile mit einer Produktionsvorlaufzeit von mehr als 14 Tagen sowie für Schüttgüter. JIS verliert ebenfalls seine Anwendbarkeit, wenn die Distanz zwischen Lieferant und Montagewerk mehr als 500 Kilometer beträgt, ohne dass ein Zwischenlager zur Sequenzierung genutzt wird. In solchen Fällen ist das Transportrisiko zu hoch und das Werk hält einen klassischen Sicherheitsbestand für mindestens 3 Tage Produktion vor.
Schritt für Schritt
- Analyse des Produktionsplans. Der Spediteur prüft die festgelegten Zeitfenster und die von der Fabrik geforderte Liefersequenz.
- Auswahl des Fuhrparks. Ein geeignetes Fahrzeug wird ausgewählt, um eine sichere Beladung und Entladung gemäß den Teilesspezifikationen zu gewährleisten.
- Puffer- und Routenplanung. Die Route wird unter Berücksichtigung möglicher Grenzverzögerungen und unvorhergesehener Ereignisse ausgearbeitet.
- Beladung in der Sequenz. Bei JIS-Transporten werden die Teile nach der Montagereihenfolge der Werksproduktion im Auflieger platziert.
- Echtzeit-Überwachung des Transports. Der Spediteur verfolgt die Fahrzeugposition auf jeder Etappe, um bei Verzögerungen sofort zu reagieren.
Definitionen
- JIT (Just-In-Time): Ein Lieferkonzept, bei dem Komponenten exakt im vereinbarten Zeitfenster ankommen, um Lagerhaltung im Werk zu vermeiden.
- JIS (Just-In-Sequence): Eine Logistikmethode, bei der Teile in der genauen Montagereihenfolge der Produktionslinie angeliefert werden.
- GVMS (Goods Vehicle Movement Service): Das britische Grenzsystem zur digitalen Abwicklung des Güterverkehrs.
- FTL (Full Truckload): Komplettladungsverkehr, bei dem ein gesamtes Fahrzeug für den Transport von Gütern eines einzelnen Lieferanten genutzt wird.
Die Rolle von OTSL
OTSL synchronisiert internationale Transporte mit den strengen Vorgaben der Produktionslinien und nutzt dafür die Basis in Kielce sowie das Lager in Milton Keynes. Wir organisieren pünktlichen Straßentransport und koordinieren Zollabwicklungen, während wir zeigen, wie Supply Chain Management in der Praxis den Materialfluss sichert.
KI-Grafik