Der Tunnelbeschränkungscode des ADR entscheidet, durch welche Tunnel ein Fahrzeug mit Gefahrgut nicht fahren darf. Kapitel 8.6 ADR teilt Straßentunnel in fünf Kategorien von A (keine Beschränkungen) bis E (die strengste) und weist jedem Gut in Spalte 15 der Tabelle A einen Code zu. Der Code gehört in Großbuchstaben in Klammern ins Beförderungspapier (ADR 5.4.1.1.1 Buchstabe k). Ein falscher oder fehlender Code stoppt den Lkw vor dem Portal und wirft die gesamte Routenplanung um.
Woher die Tunnelkategorien A bis E kommen
Die Kategorie weist die zuständige Behörde des Landes zu, in dem der Tunnel liegt (ADR 1.9.5). Grundlage ist die Bewertung von drei Gefahren, die in einer geschlossenen Röhre viele Opfer fordern oder das Bauwerk zerstören können: Explosion, Freisetzung giftiger Stoffe und Großbrand. Für Tunnel im transeuropäischen Straßennetz setzt die Richtlinie 2004/54/EG die Mindestanforderungen an die Sicherheit, einschließlich einer Risikoanalyse, bevor Gefahrgut beschränkt wird. Die Einfahrt eines beschränkten Tunnels trägt ein Verbotszeichen mit Zusatztafel und dem Buchstaben B bis E; ein Tunnel ohne diese Beschilderung unterliegt keinen Beschränkungen und gilt als Kategorie A.
Die Tunnelverbote gelten für Beförderungseinheiten, die orangefarbene Tafeln führen müssen (ADR 8.6.3.1). Beförderungen unter Freistellungen, etwa unterhalb der Mengenschwellen des Unterabschnitts 1.1.3.6, fahren ohne Tafeln und passieren Tunnel grundsätzlich frei. Die Ausnahme ist Kategorie E: Sie erfasst zusätzlich begrenzte Mengen, wenn die Gesamtbruttomasse 8 Tonnen je Beförderungseinheit übersteigt und die LQ-Kennzeichnung vorgeschrieben ist. Diesen Sonderfall erklären wir im Beitrag über begrenzte Mengen LQ im ADR-Transport.
Fünf Kategorien, eine Logik: je weiter im Alphabet, desto enger
| Kategorie | Durchfahrtverbot betrifft (ADR 8.6) | Folge für die Planung |
|---|---|---|
| A | keine Beschränkungen für Gefahrgut | Route unverändert; Kategorie ohne Beschilderung |
| B | Güter, die zu einer sehr großen Explosion führen können | stoppt Ladungen mit Codes, die mit B beginnen |
| C | Güter mit Gefahr einer sehr großen Explosion, einer großen Explosion oder eines großen Austritts giftiger Stoffe | stoppt die Codes B und C |
| D | Güter mit Gefahr einer großen Explosion, eines großen Austritts giftiger Stoffe oder eines großen Brandes | stoppt unter anderem Benzin im Tank (Code D/E) |
| E | alle gefährlichen Güter außer UN 2919, 3291, 3331, 3359 und 3373 | erfasst auch LQ über 8 Tonnen Bruttomasse je Einheit |
Codes richtig lesen: D/E, C/E, B/D
Der Schrägstrich trennt zwei Szenarien. Benzin, UN 1203, trägt den Code D/E: Im Tank darf es nicht in Tunnel der Kategorien D und E, in Versandstücken stoppt es erst die Kategorie E. Der Code C/E verbietet die Tankbeförderung ab Kategorie C und Versandstücke ab E; ein einzelner Buchstabe wie E gilt für jede Beförderungsart gleich. Je später die Buchstaben im Alphabet stehen, desto milder die Beschränkung, denn das Verbot beginnt erst bei den engsten Tunnelkategorien.
Im Sammelgut gilt die Regel des schwächsten Glieds: Führt eine Beförderungseinheit Güter mit unterschiedlichen Codes, erhält die gesamte Ladung den restriktivsten davon (ADR 8.6.3.3). Eine einzige Palette mit scharfem Code kann dem ganzen Auflieger den Tunnel sperren und die Route aller übrigen Sendungen verlängern. Deshalb werden die Codes aller Positionen geprüft, bevor die Route entsteht, nicht nach der Verladung.
Der Tunnelcode im Beförderungspapier
ADR 5.4.1.1.1 Buchstabe k verlangt den Tunnelbeschränkungscode im Beförderungspapier, in Großbuchstaben und in Klammern, zum Beispiel (D/E). Der Eintrag darf nur entfallen, wenn von vornherein feststeht, dass die Fahrt keinen Tunnel mit Beschränkungen berührt. In der internationalen Praxis ist es sicherer, den Code immer einzutragen: Eine ausgefallene Überfahrt oder eine gesperrte Straße ändert die Route binnen Stunden, und ein Papier ohne Code bindet dem Disponenten die Hände. Für richtige Angaben ist der Absender verantwortlich; der Code wird deshalb aus Spalte 15 der Tabelle A für die konkrete UN-Nummer übernommen, nicht aus dem Gedächtnis. Straßenkontrollen vergleichen Papier und Ladung; eine Abweichung endet mit der Stilllegung des Fahrzeugs, bis der Mangel behoben ist. Alle Pflichtangaben haben wir im Beitrag über Dokumente im ADR-Transport gesammelt.
Eurotunnel oder Fähre: ADR am Ärmelkanal
ADR-Tunnelcodes regeln Straßentunnel. Der Eurotunnel ist eine Eisenbahn: Der Lkw fährt auf dem Shuttle-Wagen, die Kategorien des Kapitels 8.6 gelten hier nicht unmittelbar. Was mitfährt, bestimmen die Beförderungsbedingungen des Betreibers, der eine eigene Liste der angenommenen, bedingt angenommenen und ausgeschlossenen Gefahrgüter führt. Ein Teil der ADR-Ladungen kommt nicht auf den Zug und muss auf die Fähre. Die Fähre wiederum ist ein Seeregime: Auf dem Wasserabschnitt gilt der IMDG-Code, und Gefahrgut muss dem Betreiber bereits bei der Buchung deklariert werden. Der Betreiber bestätigt die Annahme und kann eine bestimmte Abfahrt zuweisen; nicht deklariertes ADR bedeutet Abweisung am Check-in und einen verlorenen Slot im Hafen.
Die Konsequenz für die Planung: Bei Gefahrgut nach Großbritannien ist die Wahl der Überfahrt eine Frage der Ladungsannahme, nicht des Preises oder der Abfahrtszeit; die Politik des Betreibers wird vor der Auftragsbestätigung geprüft, nicht im Hafen. Wie wir beide Wege über den Kanal abwägen, steht im Beitrag Fähre oder Eurotunnel, die Zoll- und Dokumentenseite des Korridors im Artikel über den ADR-Transport nach UK nach dem Brexit.
Routenplanung mit Tunnelcode
- Codes vor dem Angebot sammeln. Der Tunnelcode jeder Position muss bekannt sein, bevor die Route entsteht; im Sammelgut entscheidet der restriktivste Code über alles.
- Tunnelkategorien auf der Route prüfen. Die Verzeichnisse kategorisierter Tunnel veröffentlichen die nationalen Behörden, die Einfahrten sind mit Buchstabentafeln beschildert. Beschränkungen konzentrieren sich auf lange Transittunnel, vor allem in den Alpen.
- Umweg rechnen, bevor das Fahrzeug rollt. Ein Durchfahrtverbot bedeutet Pass oder längeren Korridor: zusätzliche Kilometer, Lenkzeit und Kosten, die ins Angebot gehören.
- ADR auf der Überfahrt anmelden. Die Deklaration bei der Fährbuchung oder der Blick in die Liste des Tunnelbetreibers sichert den Liefertermin.
- Beförderungspapier prüfen. Code in Klammern, identisch mit Spalte 15 der Tabelle A; bei begrenzten Mengen die 8-Tonnen-Schwelle der Kategorie E im Auge behalten.
Die Rolle von OTSL
Als internationale Spedition planen wir ADR-Verkehre zwischen Polen, Großbritannien, der Schweiz und dem übrigen Europa, also auf Korridoren, in denen Tunnelcodes und die Regeln der Fähr- und Tunnelbetreiber in einem Auftrag zusammentreffen. Wir prüfen die Codes vor dem Angebot, wählen die Überfahrt passend zur Ladung und halten die Einträge im Beförderungspapier vollständig; Lagerstandorte in Kielce, Legnica und Milton Keynes puffern die Ware auf beiden Seiten des Kanals. Die Grundlagen der Gefahrgutbeförderung stehen im Beitrag über den ADR-Transport von Gefahrgut; eine Ladung mit Tunnelcode besprechen Sie über das Kontaktformular.
Was bedeutet ein zweiteiliger Tunnelcode mit Schrägstrich?
Ein zweiteiliger Code mit einem Schrägstrich wie D/E unterscheidet die Vorgaben nach der Versandart: Der erste Buchstabe gilt für Transporte im Tank, während der zweite Buchstabe für alle übrigen Beförderungsarten maßgeblich ist.
Schritt für Schritt
- Gut identifizieren. Ermitteln Sie die UN-Nummer und die genaue Bezeichnung des Gefahrguts in den Frachtunterlagen.
- Code nachschlagen. Entnehmen Sie den zugewiesenen Beschränkungscode aus dem Stoffverzeichnis der ADR-Regeln.
- Beförderungsart prüfen. Stellen Sie fest, ob der Transport im Tank oder als Versandstück erfolgt, um den Code korrekt anzuwenden.
- Route abgleichen. Prüfen Sie die geplante Fahrtstrecke auf gesperrte Tunnelkategorien.
- Dokumente ausfüllen. Tragen Sie den Code in Großbuchstaben und Klammern in das Beförderungspapier ein.
Definitionen
- ADR (Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße): Das internationale Regelwerk für den sicheren Straßentransport von Gefahrgut.
- Tunnelbeschränkungscode: Die einem Gefahrgut zugewiesene Kennzeichnung, die die Durchfahrtssperren für bestimmte Straßentunnel festlegt.
- Tunnelkategorie: Die Einstufung von Straßentunneln in die Klassen A bis E je nach Gefährdungspotenzial und Beschränkungen.
- Tabelle A: Das zentrale Stoffverzeichnis im ADR mit allen spezifischen Vorgaben und Transportcodes für gefährliche Güter.
KI-Grafik