Von Polen nach Irland führen zwei Wege: die Direktfähre vom Kontinent (unter anderem ab Cherbourg, Dünkirchen und Zeebrugge) nach Dublin Port oder Rosslare Europort ohne Zollformalitäten, weil Irland zur Europäischen Union gehört, oder die Landbridge über Großbritannien mit Versandverfahren, GMR und PBN. Welcher Hafen passt, hängt von der Lieferadresse ab: Dublin bedient die Hauptstadt und den Norden der Insel, Rosslare liegt näher an Süden und Westen. Dazu kommen die Lenkzeit nach der langen Überfahrt und die Rückladung aus Irland oder Großbritannien.
Worin unterscheiden sich Dublin Port und Rosslare Europort?
Dublin Port liegt an der Ostküste direkt an der Hauptstadt und nimmt sowohl Fähren vom Kontinent als auch Fähren aus Holyhead in Wales auf, also das letzte Stück der Landbridge. Vom Hafen geht es direkt auf die Ringautobahn M50 und weiter auf den Autobahnen Richtung Belfast, Galway oder Cork. Für Lieferungen in den Großraum Dublin, die umliegenden Countys und den Norden der Insel ist das die naheliegende Wahl.
Rosslare Europort liegt im Südosten, im County Wexford. Der Hafen bedient Direktfähren vom Kontinent und Verbindungen aus Wales (Pembroke und Fishguard). Für Empfänger in Waterford, Cork, Limerick und im Südwesten spart er dem Fahrer die Durchfahrt durch Dublin. Der Nachteil sind weniger Abfahrten als in Dublin, sodass bei eiliger Ladung die Auswahl an Überfahrten kleiner ist.
Direktfähre oder Landbridge: was entscheidet wirklich?
Die Direktfähre vom Kontinent ist eine Beförderung innerhalb der Union: Unionsware fährt mit CMR-Frachtbrief und Rechnung, ohne Zollanmeldung. Die Überfahrt ist lang, doch der Fahrer ruht in dieser Zeit, und das Fahrzeug umgeht die britische Zollabwicklung. Die Landbridge (Dünkirchen–Dover, Fahrt durch England und Wales, Holyhead–Dublin) ist auf der Straße meist schneller, verlangt aber ein T2-Versandverfahren, eine GMR im britischen GVMS und eine PBN im Dienst der irischen Revenue.
In der Praxis stellen wir drei Fragen. Wo genau wird entladen: Dublin und der Norden oder Süden und Westen der Insel. Wie viel Lenkzeit bleibt dem Fahrer nach der Überfahrt, denn die lange Fähre ist gleichzeitig Ruhezeit, während die kurze Überfahrt ab Holyhead nach mehreren hundert Kilometern durch Großbritannien kommt. Und womit der Auflieger zurückfährt: leer, mit Ladung aus Irland oder mit Ladung aus Großbritannien, was oft die Route für den gesamten Umlauf bestimmt. Fahrpläne, Überfahrtszeiten und Preise legen die Reedereien fest und ändern sie saisonal, deshalb nennen wir sie im Text nicht.
Hafen und Route nach Irland Schritt für Schritt
- Entladeadresse und Lieferfenster festlegen. Eircode und Annahmezeiten des Empfängers entscheiden, ob Dublin Port oder Rosslare Europort näher liegt und ob eine Entladung am selben Tag realistisch ist.
- Rückladung prüfen. Eine Rückladung aus Irland spricht für die Direktfähre; eine Rückladung aus Großbritannien spricht für die Landbridge auf einem oder beiden Wegen.
- Lenkzeit des Fahrers rechnen. Auf der Direktfähre nimmt der Fahrer die Ruhezeit an Bord; auf der Landbridge müssen die Fahrt durch England und Wales sowie die Hafenabwicklung hineinpassen.
- Dokumente zur Route passend zusammenstellen. Direktfähre: CMR, Rechnung, Packliste. Landbridge: zusätzlich T2-Versand mit MRN, GMR für die Einfahrt nach Großbritannien und PBN vor der Fähre nach Irland.
- Fähre mit Puffer buchen. Wir buchen nach Bestätigung des Ladetermins; auf der Landbridge buchen wir zwei Überfahrten und buchen bei Planänderung beide um.
- Fahrzeugdaten melden. Kennzeichen von Zugmaschine und Auflieger müssen in Buchung, GMR und PBN übereinstimmen; eine Abweichung blockiert das Einschiffen.
Definitionen
- Landbridge: Beförderung von Waren vom Kontinent nach Irland auf dem Landweg durch Großbritannien, mit zwei Fähren: EU–GB und GB–Irland.
- PBN (Pre-Boarding Notification): Anmeldung vor dem Einschiffen im Dienst der irischen Revenue; sie bündelt die MRN aller Anmeldungen für die Waren auf dem Fahrzeug. Ohne PBN darf das Fahrzeug nicht auf die Fähre nach Irland.
- GMR (Goods Movement Reference): Referenznummer der Beförderung im britischen System GVMS (Goods Vehicle Movement Service), erforderlich für die Einfahrt eines beladenen Fahrzeugs nach Großbritannien.
- MRN (Movement Reference Number): Nummer einer Zollanmeldung, auch der Versandanmeldung; sie wird in GMR und PBN eingetragen.
- T2: Versandverfahren für Unionsware durch ein Drittland im gemeinsamen Versandverfahren, dem das Vereinigte Königreich angehört; eröffnet in der EU, erledigt in Irland.
- CMR: internationaler Frachtbrief; bei der Direktfähre bildet er zusammen mit der Rechnung den vollständigen Dokumentensatz.
Checkliste vor der Fährbuchung nach Irland
- Entladeadresse mit Eircode und Annahmezeiten.
- Entscheidung: Direktfähre oder Landbridge, mit Begründung (Adresse, Rückladung, Lenkzeit).
- Kennzeichen von Zugmaschine und Auflieger identisch in Buchung, GMR und PBN.
- Vollständige Dokumente: CMR, Rechnung, Packliste; auf der Landbridge zusätzlich T2 mit MRN.
- Wer erledigt das Versandverfahren in Irland und wie wird die Erledigung bestätigt (nur Landbridge).
- Notfallplan bei ausgefallener Überfahrt: anderer Hafen, andere Reederei, Übernachtung des Fahrers.
Bedeutet die Direktfähre immer null Formalitäten?
Für Unionsware ja. Eine Zollformalität gilt nicht für eine Beförderung von Polen nach Irland mit der Direktfähre, es sei denn, auf dem Auflieger befindet sich Nicht-Unionsware, etwa Ware, die bereits in einem Versandverfahren läuft, oder Ware zur Ausfuhr aus der EU. Dann braucht selbst die Überfahrt ab Cherbourg eine Anmeldung und bei der Einfahrt in den irischen Hafen zusätzlich eine PBN. Verbrauchsteuerpflichtige Waren und beschränkte Waren haben ebenfalls eigene Anforderungen, unabhängig von der Route. Die Regel „Direktfähre ohne Zollpapiere“ gilt also für gewöhnliche Unionsware und hängt vom Status der Ware ab, nicht vom Hafen. Siehe auch: Messeexponate nach Dublin: wann kein ATA-Carnet nötig ist.
Die Rolle von OTSL
OTSL bedient beide Varianten in einem Auftrag: Das Büro wählt Hafen und Route passend zur Lieferadresse, bucht die Überfahrten im Rahmen der Fährbuchung und bereitet die Dokumente vor, auf der Landbridge einschließlich Versandverfahren, GMR und PBN. Den Vergleich beider Routen finden Sie im Beitrag Direktfähre oder Landbridge, die Anforderungen der Reedereien an Fahrzeugdaten im Text über Fahrzeuglisten und Manifeste. Der Überblick über die Relation steht auf der Seite Transport nach Irland.
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